Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Was tun gegen die vielen Lebensmittelabfälle?

Dass wir zu viel Lebensmittel in den Müll werfen, hat uns zuletzt der Dokumentarfilm „Taste the waste“ vor Augen geführt. Wie viel, das wusste bislang niemand so genau. Jetzt gibt es aber genaue Zahlen, die Ilse Aigner am Dienstag in Berlin präsentiert hat. Und sie sind besorgniserregend: Eine Untersuchung der Uni Stuttgart kommt nämlich zum Ergebnis, dass Industrie und Handel, Großverbraucher und Privathaushalte jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel wegschmeißen.

61 Prozent der Abfälle entstehen in Privathaushalten: Jeder Bürger wirft jährlich durchschnittlich 81,6 Kilogramm im Wert von 235 Euro weg. Auf Deutschland hochgerechnet sind das 21,6 Milliarden Euro, die die vermeidbare Verschwendung kostet. Gemüse und Obst landen übrigens am häufigsten im Dreck.

Woran liegt das eigentlich, dass die Menschen so viel Lebensmittel wegschmeißen? Eine Forsa-Umfrage ging dieser Frage auf den Grund und fand heraus, dass sich die meisten Befragten (84 Prozent) durch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verunsichern lassen. Ist es abgelaufen, schmeißen sie das Produkt in den Müll. Ein fatales Missverständnis. Denn das MHD ist lediglich eine Art Gütesiegel, das die tadellose Produktqualität bis zum genannten Termin gewährleistet. Danach ist vielleicht etwas weniger Kohlensäure im Mineralwasser, schlecht ist es deswegen aber noch lange nicht.

TTI-Etiketten könnte das MHD in Zukunft ergänzen. Eine spezielle Druckfarbe entfärbt sich desto schneller, je länger man das Produkt warm lagert. Es dokumentiert die Kühl-Historie jeder einzelnen Verpackung und zeigt an, ob die Kühlkette an irgendeiner Stelle unterbrochen wurde – beim Hersteller, Händler oder auch beim Verbraucher selbst. Wäre ein solches TTI-Etikett für Sie interessant?

Servicewüste Deutschland?

Der Volksmund sagt, Deutschland sei eine Servicewüste. Doch stimmt das wirklich? Das Deutsche Institut für Servicequalität hat letzten Monat den Deutschen Servicepreis 2012 verliehen – an 39 Preisträger in elf Kategorien. Experten ließen sich vorab inkognito vor Ort beraten und untersuchten die Servicequalität per Telefon und E-Mail. Wichtig war ihnen dabei neben Wartezeit auch Gesprächsatmosphäre und Kompetenz.

Der Coffee-Shop Starbucks, der Ökostromanbieter Lichtblick und der Netzbetreiber Kabel Deutschland überzeugten mit Top-Service. In der Kategorie „E-Commerce“ hatten die Online-Shops von S. Oliver und Zalando sowie die Internet-Apotheke Mediherz die Nase vorn. Auch Banken standen auf dem Prüfstand. Das Rennen machten die Direktbanken ING-Diba, S Broker und die Hamburger Volksbank.

Auch bei Bizerba wird das Thema Service immer wichtiger und facettenreicher. Deshalb ist die Hotline selbst an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr erreichbar. Techniker beseitigen Störfälle zu jeder Zeit. Denn wenn Produktionsanlagen ausfallen, bedeutet für die Kunden jede Minute bares Geld. Und erfüllt ein wichtiger Teilaspekt nicht mehr seine Erwartungen, denkt er schnell über einen Wechsel nach.

Das Forschungsinstitut Servicebarometer AG hat übrigens gerade den aktuellen „Kundenmonitor Deutschland 2011“ veröffentlicht. Das Institut befragte über 36.000 Verbraucher zu Anbietern aus 30 Branchen. Zu den Gewinnern gehörte die Mobilfunkbranche. Ganz vorn lagen dabei die Discounter Congstar, Aldi Talk und Blau.de. Sie punkteten insbesondere über das Preis-Leistungs-Verhältnis und über Mehrwerte wie Kostenairbag und Flatrate-Modelle.

Lebensmittel gehören nicht auf den Müll

Das ist schon dekadent: Jeder Mensch in der EU wirft jährlich rund 179 Kilogramm Essen in den Müll. Das sind insgesamt 89 Millionen Tonnen. Das sind aktuelle Zahlen einer Studie der Europäischen Kommission (Quelle: EK). Bis 2020 sei ein Anstieg um 40 Prozent zu erwarten, deswegen sei es Zeit gegenzusteuern. Genau das will die Kommission versuchen und die Verschwendung bis 2025 um die Hälfte reduzieren.

Grundsätzlich sind alle Akteure der Lebensmittelkette an der Verschwendung beteiligt: Erzeuger, Hersteller, Einzelhändler, Catering-Unternehmen und Verbraucher. Aber der größte Teil der weggeworfenen Lebensmittel stammt aus Privathaushalten. Das zeigt eine Forsa-Umfrage (Quelle: BMELV). Bundesministerin Aigner ruft daher dazu auf, mit Lebensmitteln bewusster umzugehen, den Einkauf sinnvoll zu planen, Lebensmittel richtig zu lagern und mit Resten zu zaubern.

Der Handel experimentiert derweil mit neuen Warenwirtschaftssystemen, mit kürzeren Dispositionsrhythmen, kleineren Bestelleinheiten und regionalen Beschaffungssystemen mit kürzeren Lieferwegen. In der Gastronomie zählt zu den Ursachen, dass oft nur eine Portionsgröße existiert und es sich in Europa bislang nicht durchgesetzt hat, sich Speisereste für zu Hause einpacken zu lassen. Auch hier ist Umdenken gefragt!

Im Schatten der Listeriose – Hygiene in der Lebensmittelindustrie wichtiger denn je

Unternehmen der Lebensmittelindustrie wenden viel Zeit auf, um ihre Geräte zu reinigen. Die Fachabteilung „Sterile Verfahrenstechnik“ des VDMA schätzt den Anteil der Reinigungszeit auf bis zu 30 Prozent. Das wird wichtiger denn je, denn bei der Hygiene steht viel auf dem Spiel – nichts Geringeres als die Gesundheit der Verbraucher. Und an schlecht gereinigten Oberflächen haften Biofilme, die allergene und schlimmstenfalls infektiöse Reaktionen auslösen.

Die European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG) ist ein Zusammenschluss von Forschungsinstituten, Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und Unternehmen, die Ausrüstung für die Lebensmittelindustrie herstellen. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Hygienemaßnahmen beim Herstellen und Verpacken von Lebensmitteln zu unterstützen. Bizerba konzipiert Kontrollwaagen bereits nach EHEDG-Richtlinien und bietet auch einen speziellen Reiniger an, mit dem sich Bakterien von Bedienterminals entfernen lassen.

Hygiene in der Lebensmittelindustrie ist wichtiger denn je. Wir erinnern uns an letztes Jahr: Aldi rief Berkäse zurück, weil der Hersteller bei einer Qualitätsprüfung Listerien gefunden hatte. Die zugehörige Erkrankung, die Listeriose, kann für abwehrgeschwächte Menschen lebensbedrohlich sein. Aldi war nicht der erste Discounter, der wegen Listerien ein Produkt zurückrufen musste. Lidl musste schon im Jahr 2011 Schimmelkäse und Harzerkäse aus dem Sortiment nehmen. Sechs Menschen kamen damals in Deutschland und Österreich zu Tode.

Ernährungsindustrie steht unter Druck – werden Lebensmittel teurer?

Gastkommentar von Marc Büttgenbach (Sales Director Labels and Consumables bei Bizerba und Vorstandsmitglied der Wirtschaftsverbände Papierverarbeitung)

Die deutsche Ernährungsindustrie hat im Jahr 2011 einen Umsatz von 162,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem moderaten Wachstum von 1,3 Prozent und klingt zunächst nicht besorgniserregend. Doch macht sich die Branche Sorgen um die Ertragslage – angesichts der stetig steigenden Rohstoffpreise: Die 13 wichtigsten Agrarrohstoffe verteuerten sich letztes Jahr um 19 Prozent. Noch schlimmer: Die Preise für Getreide und Ölsaaten stiegen um ganze 41 Prozent.

Problem und Segen zugleich: Der harte Preiswettbewerb im deutschen Lebensmitteleinzelhandel sorgt dafür, dass die meisten Händler Preiserhöhungen nicht im notwendigen Umfang auf die Kunden übertragen und stattdessen sinkende Margen in Kauf nehmen. Die Lebensmittelzeitung gibt daher Entwarnung und titelt „Die Ladenpreise bleiben stabil“. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) gibt zu bedenken, dass die Preise für Lebensmittel eigentlich in diesem Jahr um drei bis vier Prozent steigen müssten, um den Ertragsdruck in der Industrie zu mindern. Bleibt abzuwarten, wohin die Reise gehen wird…

Vor einem ähnlichen Dilemma stehen auch die Hersteller selbstklebender Etiketten, denn auch hier lassen sich die steigenden Rohstoffpreise nur schwer auf die Kunden übertragen. Denn sie sind die niedrigen Preise aus der Krisenzeit gewöhnt, und viele Marktteilnehmer bleiben bei diesen Preisen. Dieser Trend lässt sich nicht nur bei Etiketten beobachten, sondern auch bei flexiblen Verpackungen und Kartonagen. Bereits zwischen Januar 2010 und Januar 2011 sind die Harze für LDPE, PP und PET um 35 Prozent teurer geworden.

Welches Image hat die Lebensmittelwirtschaft bei den deutschen Verbrauchern?

Die Lebensmittelzeitung (heutige Ausgabe) geht dieser Frage in einer aktuellen Studie nach und hat sieben Konsumenten an einen runden Tisch zum Interview gebeten. Der Verlauf war voller Emotionen: Teilnehmer redeten sich in Rage, machten ihrer Resignation Luft, beklagten Mogelpackungen, Dioxin und Strahlung in den Lebensmitteln.

Zum Glück ist Hopfen und Malz noch nicht verloren: Die Teilnehmer machten Vorschläge, wie man wieder gegenseitiges Vertrauen aufbauen könnte. Hersteller und Händler sollten Inhaltsstoffe deutlicher kennzeichnen, klar angeben, wo die Produkte herkommen und auch die Wege der Lebensmittel transparent machen. Auch gut geschultes Personal schaffe Vertrauen. Doch hier tritt das bekannte Problem zu Tage, dass viele Läden zu wenig Personal für ihre Größe haben. Bizerba Technik kommt ihnen hier entgegen: Verkäufer sehen auf den Displays moderner PC-Waagen Artikelinformationen ein und nehmen an e-learnings teil, um ihr Fachwissen im Umgang mit Lebensmitteln zu vertiefen.

Auch der Psychologe Jena Lönneker vom Marktforschungsunternehmen rheingold versuchte in einer Studie herauszufinden, wie sich die Einkaufshaltung der Verbraucher vor dem Hintergrund von zahlreichen Lebensmittelskandalen verändert hat. Er führte über 1.000 Interviews durch. 82 Prozent der Befragten erwarteten, dass die Häufigkeit von Skandalen sogar noch zunehmen würde, einige sehen darin ein Zeichen, dass die Gesellschaft aus den Fugen gerate und dass es Zeit sei für neue Regeln. Was denken Sie?

Lebensmittelklarheit.de in der Kritik

Tausende Verbraucher hatten sich in den vergangenen Jahren bei den Verbraucherzentralen der Bundesländer darüber beschwert, dass Produkte häufig nicht das halten, was deren Aufmachung und Werbung versprechen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat vor rund 4 Monaten deshalb das Internetportal Lebensmittelklarheit.de gegründet. Verbraucher senden nun ihre Beschwerden ein, das Portal prüft die Meldung und bittet den Hersteller um eine Stellungnahme. Er hat dafür sieben Tage Zeit.

Die Seite hat heftige Kritiker-Reaktionen ausgelöst. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels beklagt, dass das Portal nicht objektiv und neutral sei und vorrangig medienwirksam Wirtschaftsschelten verteile. Es stelle dabei selbst die Produkte unter einen Täuschungsvorwurf, die nach Recht und Gesetz hergestellt sind. Und seien die Kennzeichnungsregeln, die vorher auf nationaler oder europäischer Ebene vereinbart worden sind, zu komplex, so sei es Aufgabe der Politik, dies zu ändern. Das Lebensmittelrecht müsse Maßstab sein, wenn man Lebensmittel beurteilt, und nicht die gefühlte Täuschung einzelner, bekräftigt auch der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Das Portal solle lediglich Informationen bereitstellen, damit Hersteller, Verbraucher und Politik diskutieren können.

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